Seiln Zeiln

Sternschnuppe

Einen Augenaufschlag nur,

den sie gleitet durch die Tiefe der Nacht –
ganz lautlos und nicht fassbar schnell.

Sie kommt aus ewigem Schwarz

und trägt die Kälte und Leere der Reise.

Du, sieh offen in die Ferne.

Entdecke die Weite der Sterne

und lausche deinem Herzen.

Matthias Meyer, 15.12.1999, Hamburg


Spätsommernacht

Zuende geht eine der der letzen Sommernächte.

So lind mich deren Luft auch streichelt – wie ein kaum dahingehauchter Kuss,

so kann ich ihr Vergehen nicht vergessen.

Ihr Streicheln genießt Melancholie, die endlos spüren und erleben lässt.

Auch wenn das Bewusstsein schon um die lange Zeit weiss,

die bis zu Ihrem nächsten Kuss noch vergeht.

 

Matthias Meyer, 22.9.1999, Hamburg


Sommer

So schön ist ein Sommer im Norden.

Sanft stubst er aus der Erinnerung,

die Freude über sich immer wieder an.

So unmittelbar wie er sich zeigt,

vergeht er in Klarheit und Frische.

 

Matthias Meyer, 25.8.1999, Hamburg

 


Aufbruch II.

Kalter Wind streicht

von Land über nachtstumpfe See,

wie der Atem des sterbenden Wals.

Langsam vereinsamen letzte Neonröhren der Stadt.

Wind verliert sich in rabenschwarzer Nacht.

Kein Übergang spürbar zwischen

Nacht und der See.

Zerfliessende Grenzen zwischen Kontur und Umgebung

Umgebung bleibt.

Es fröstelt das Herz,

…fast gefriert der Schlag.

Matthias Meyer, Juli 1999, Hanstholm


Aufbruch I.

Graugrün die See,

gefangen im Hafen.

Still klingt ihr Spiel,

wie Saiten von Harfen.

Gleich bricht sie los,

und spielt uns die Weisen.

Fast niemals gehört,

verklingt ihr Lied.

Matthias Meyer, Juli 1999, Hanstholm


Eine Spur Abend, fast schon Nacht liegt in der Luft.

Gegangen ist der unbeständige Tag,

an der Dunkelheit schärft sich der Wille des neuen Tags.

Matthias Meyer, Juli 1999, Hanstholm


Bergen,

ein guter Name für die Stadt.

Warmes Licht gefriert auf der Farbe des Tages.

Ein nicht endender Tag gebiert Hoffnung.

Hoffnung für die kurze und aschfahle Nacht.

 

Matthias Meyer, Juli 1999, Bergen


Sturmesmorgen / Hundewache

Ein Regenbogen spannt die Farbe des Morgens
über gräulich verhangener Nacht.

Nebel vergangener Sorgen
sich heben mit schwindenender Macht.

Entzaubern den Zenit mit Milliarden von Sternen,
sie gehen mit kommender Nacht.

 

Der Wind weht sie fort, die letzten Schwaden
– hart bricht er an, der neue Morgen.

Matthias Meyer, 08.07.1997, Rostock